Interview mit Roschdy Zem

Was hat Sie während der Dreharbeiten zu GEH UND LEBE am meisten geprägt?

Zu allererst war ich sehr beeindruckt, wie freundlich ich empfangen worden bin. Nie hat jemand grosses Aufheben um meine Herkunft gemacht, ich selber war es, der ab und zu daran erinnern musste, dass ich arabisch-muslimischer Herkunft bin. Wenn ich das tat, antwortete man mir: „Was ist denn dabei?“ Mir ist klar geworden, dass die Israelis selber auch Opfer sind, nämlich Opfer ihrer eigenen Regierung, die macht, was sie will. Wenn man ein Linker und gegen den Krieg ist, wird man ausgegrenzt. Für den Frieden zu sein, wird beinahe gleichgesetzt mit unpatriotisch sein. Dasselbe gilt auch für die Palästinenser: In Palästina zu sagen, dass man für den Frieden ist, heisst, sich einer Gefahr auszusetzen. Hier haben wir zwei Völker, die von ihren Regierenden und den religiösen Extremisten als Geiseln gehalten werden.


Wie haben Sie sich mit den drei Schauspielern, die Schlomo darstellen, verstanden?

Ich entwickelte mich zu einer Art älterem Bruder für den jüngsten der drei, der wirklich unser Maskottchen auf dem Set war. Es hat mir viel bedeutet, von diesem Kind akzeptiert zu werden. Der Darsteller, der den jugendlichen Schlomo verkörpert, war lustig und berührend, aber auch von einer unglaublichen Scheu. Deshalb war es schwierig, einen Zugang zu ihm zu finden. Der älteste der drei ist ein echter Freund geworden, er ist ein junger Mann voll Zärtlichkeit und Liebe. Er erzählte mir seine Kindheit und seine Ankunft in Israel im Alter von elf Jahren, seine Geschichte hat mich zu Tränen gerührt.

Filmographie Roschdy Zem

2005 LE PETIT LIEUTENANT, Regie: Xavier Beauvois
2005 CAMPING À LA FERME, Regie: Jean-Pierre Sinapi
2005 GEH UND LEBE, Regie: Radu Mihaileanu
2004 36, QUAI DES ORFÈVRES, Regie: Olivier Marchall
2004 T’INJA, Regie: Hassan Legzouli
2004 ORDO, Regie: Laurence Ferreira-Barbosa
2003 FILLES UNIQUES, Regie: Pierre Jolivet
2003 CHOUCHOU, Regie: Merzak Allouache
2003 MONSIEUR, N. Regie: Antoine de Caunes
2002 BLANCHE, Regie: Bernie Bonvoisin
2002 LE RAID, Regie: Djamel Bensala
2001 MA FEMME EST UNE ACTRICE, Regie: Ivan Attal
2001 BETTY FISHER ET AUTRES HISTOIRES, Regie: Claude Miller
2001 CHANGE MOI MA VIE, Regie: Liria Bejeja
2001 LITTLE SÉNÉGAL, Regie: Rachid Bouchareb